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Warum auch negative Gedanken und Emotionen wichtig sind

„Da hast Du aber Glück im Unglück, anderen geht es viel schlechter!“ oder „In jeder Krise steckt eine Chance“: Auf Social Media sind sie omnipräsent, die wohlmeinenden Influencer:innen und Lifecoaches, die uns weismachen wollen, dass allein positives Denken zufrieden macht und ein glückliches Leben garantiert. Doch wer die eigenen Gedanken ständig zu beeinflussen sucht, der vernachlässigt dabei seine echten Gefühle. „Toxische Positivität“ nennen Kritiker deshalb den weitverbreiteten Trend zu „Good Vibes Only“ und damit den Zwang zum positiven Denken.

Positivität – das klingt doch erst mal positiv. Und tatsächlich leben Optimisten gesünder. So zeigt beispielsweise eine internationale Studie, dass eine optimistische Grundhaltung das Risiko für Herzerkrankungen senkt. Auch auf die Leistung im Job wirkt sich die innere Grundhaltung aus. So fand der US-amerikanische Psychologe Martin Seligman von der University of Pennsylvania heraus, dass positiv denkende Versicherungsmakler mehr Policen unters Volk brachten als ihre pessimistisch gestimmten Kolleg:innen. Eine Studie der Stanford University zeigte sogar, dass Grundschüler mit einer positiven Einstellung zum Fach Mathematik bessere Rechenleistungen zeigten.

Die Krux an der Sache: Eine positive Einstellung lässt sich durch zwanghaft positives Denken kaum erreichen. Denn wer negative Gedanken ständig rosa einfärbt, verleugnet einen wichtigen Teil seiner selbst. Anzeichen für „toxische Positivität“ können laut Deutscher Gesellschaft für positive Psychologie die Tabuisierung negativer Emotionen sein, die Vermeidung von Konflikten und herausfordernden Gesprächen oder Floskeln wie „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer“ oder „Kopf hoch, das wird schon wieder“.

Bei Menschen mit zwanghaft positivem „Mindset“ führt die dauernde Unterdrückung negativer Emotionen – Studien zufolge – zu Stress und geringerem Wohlbefinden. Denn Emotionen wie Wut, Trauer oder Angst gehören zu unserem emotionalen Repertoire und helfen uns, zu verstehen und auf Situationen zu reagieren. Auch zwischenmenschliche Beziehungen können unter toxischer Positivität leiden. Wer beispielsweise auf Berichte über Sorgen und Nöte anderer mit positiven Durchhalteparolen wie „Lass Dich nicht unterkriegen“ statt mit echtem Mitgefühl reagiert, der muss damit rechnen, dass sich das Gegenüber nicht ernst genommen fühlt.

„Gefühle haben immer eine wichtige Funktion. Die toxische Positivität kommt dem in die Quere“, erklärt die Diplom-Psychologin Sabine König von der Techniker im Live-Talk „Good Vibes Only: Was toxische Positivität mit dir macht“ der Eventreihe „How it works: Dein Weg durchs Studium zum Job“ von ZEIT Campus in Partnerschaft mit der Techniker Krankenkasse. Wenn man sich reflexartig zwinge, ausschließlich positiv zu denken, dann blende man einen wichtigen Teil der eigenen Gefühlswelt aus, und das koste wahnsinnig viel Energie. „Unangenehme Gefühle vermitteln wichtige Informationen darüber, was uns vielleicht fehlt“, erklärt König. Wenn ich mich beispielsweise einsam fühle, dann sagt mir das, dass mir Kontakte fehlen.

Im Studium und Berufsleben wichtig zu wissen: Für die Zielerreichung ist es laut König gar nicht sinnvoll, sich einzureden „Da möchte ich hin, und das wird schon irgendwie klappen“. Denn so bringe man gar nicht die notwendige Energie auf, sich mit Hindernissen oder inneren Widerständen auseinanderzusetzen. Insgesamt bringe es viel mehr Authentizität in das eigene Leben, sich auch mit negativen Gefühlen auseinanderzusetzen.

Vertreter der positiven Psychologie empfehlen, den Fokus gezielt auf Positives zu lenken, das im wirklichen Leben passiert ist, ohne dabei negative Gefühle, Erlebnisse oder Emotionen auszublenden. So könnte ich mich am Ende eines anstrengenden Tages etwa über eine gelungene Klausur freuen, ohne dabei zu vergessen, dass ich heute ganz schön gestresst war. Manchmal helfen schon einfache Achtsamkeitsübungen – etwa mit dem Online-Kurs „Meditation und Achtsamkeit“ der Techniker , sich auf das Positive zu fokussieren, ohne dabei negative Gefühle und Emotionen zu verleugnen. Dann wird Positivität positiv statt toxisch.

Quelle: ZEIT.campus

Veröffentlich: 24.07.2025
Zuletzt bearbeitet: 24.07.2025
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