Das geplante PNOG führt bei vielen pflegenden Eltern zu großer Verunsicherung und Ängsten. Das Gesetz ist noch nicht beschlossen und es stehen sicher noch Änderungen an. Daher bleibt Zeit sich mit Briefen an die Abgeordneten des Bundestages zu wenden. So wie es eine unserer Mitgliedsfamilien getan hat. Ihr könnt den Text hier lesen und die Dokumente herunterladen.
„Wir haben eine Tochter mit einer schweren Behinderung, die wir seit vielen Jahren pflegen.
Wir lieben unsere Tochter und tragen die Verantwortung für Pflege und Betreuung gerne. Mit unseren Kräften sind wir aber oft am Limit, emotional und körperlich. Pflege kennt keine Pausen, keine Wochenenden und keinen Feierabend.
Die Leistungen der Pflegeversicherung sind deshalb außerordentlich wichtig, um gelegentliche Entlastung finanzieren zu können und eine soziale Absicherung zu haben.
Über die jetzt im Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vorgesehenen Einsparungen bei Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige und Kürzungen bei der Rente sind wir fassungslos.
Dass die Verhinderungspflege als eigenständige Entlastungsleistung abgeschafft werden soll macht uns wütend und traurig. Die Verhinderungspflege ermöglicht es, Arzttermine wahrzunehmen und wenigstens ab und zu kurze Auszeiten von der Pflege zu bekommen. Auch können mit dieser Leistung Ferienfreizeiten für unsere Tochter finanziert werden.
Derzeit steht uns für die Verhinderungspflege ein Jahresbetrag von 3.539 Euro zur Verfügung. Künftig soll die Verhinderungspflege aus dem neuen Entlastungsbudget finanziert werden. Das bisherige Pflegegeld wird dafür um monatlich 39 Euro (Pflegegrad 2 und 3) bzw. 89 Euro (Pflegegrad 4 und 5) erhöht. Damit beläuft sich die Verhinderungspflege künftig jährlich nur noch auf 468 Euro bzw. 1.068 Euro. Das stellt eine Kürzung der bisherigen Leistung um 87 bzw. 70 Prozent dar!
Auch die Rentenleistungen für pflegende Angehörige sollen um 30 Prozent gekürzt werden. Damit erhalten viele Menschen künftig deutlich weniger Rentenpunkte und deswegen im Alter eine niedrigere Rente.
Aufgrund der Pflege habe ich, Christine Helbig, auf eine berufliche Karriere verzichten müssen und habe nun nur die Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten.
Wir fordern – auch im Namen vieler Betroffener in unserem Umfeld – einen sofortigen Kurswechsel.
Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass das PNOG eine massive Zumutung für pflegende Angehörige darstellt. Viele ohnehin schon prekäre Situationen werden durch dieses Gesetz noch einmal deutlich verschlechtert.
Das ist ein klarer Rückschritt und das Gegenteil einer Anerkennung der Leistung pflegender Angehöriger.
Offenbar haben Behinderte keine Lobby mehr in diesem Land und kämpfen meist für sich allein – das ist zumindest unsere Erfahrung.
Wir bitten Sie daher eindringlich, sich bei der Pflegereform für einen sofortigen Kurswechsel einzusetzen und die Angehörigenpflege zu stärken, statt sie weiter zu schwächen.“
Familie Helbig
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Einen weiterer Musterbrief hat die ACHSE e.V. erstellt. Er kann hier heruntergeladen werden.