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Arbeitsgemeinschaft
Spina Bifida und Hydrocephalus e.V. | Selbsthilfe seit 1966

Der Berliner Verein Sozialhelden e.V. hat den ersten Runden Tisch zum Thema Ausbildung und Inklusion veranstaltet

Expert*innen sprachen über die Herausforderungen und Lösungen bei der Ausbildung von Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Expert*innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Selbstorganisationen diskutierten in verschiedenen Workshops den Status Quo und erarbeiteten Lösungsvorschläge für die Zukunft eines inklusiven Ausbildungsmarkts. Behindertenbeauftragter Jürgen Dusel begrüßt die Initiative des Sozialhelden e.V. und seines Projekts Job Inklusive. Bedarf sehen die Teilnehmer*innen besonders bei der Vereinfachung von Unterstützungsangeboten von Unternehmen für Auszubildende mit Behinderung.

Für die Teilnehmer*innen war der erste Blick in den Veranstaltungsraum überraschend: Anstelle eines Tisches sahen die Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen in ein Universum. "Beim Thema Ausbildung und Inklusion schauen wir oft in ein schwarzes Loch. Betriebe suchen nach Auszubildenden und junge Menschen mit Behinderung finden keinen Ausbildungsplatz außerhalb der Werkstätten", begrüßt Sozialhelden-Gründer und Aktivist Raul Krauthausen die Teilnehmer*innen. "Die Frage ist: Warum gibt es noch immer keinen inklusiven Ausbildungsmarkt?", so Krauthausen weiter. Dieses schwarze Loch zu erkunden, vor allem aber sich zu vernetzen und konkrete, praktische und skalierbare Lösungsansätze zu erarbeiten, war das Ziel der Expert*innen, die auf Einladung des von der Initiative SKala geförderten Sozialhelden-Projekts "Job Inklusive" zusammengekommen waren. Was konkret brauchen Menschen mit Behinderungen, um die Hürden zur Ausbildung zu bewältigen? Wie können Betriebe dabei unterstützt werden, geeignete Auszubildende mit Behinderungen zu finden und sie gut auszubilden? Was genau benötigen Institutionen, Organisationen und Initiativen, um Menschen mit Behinderungen vor und während der Ausbildung besser begleiten zu können? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt der Diskussionen beim Runden Tisch in Berlin.

Insgesamt waren sich die Expert*innen einig, dass grundlegende Fortschritte in Richtung eines inklusiven Ausbildungsmarktes nur dann möglich sind, wenn alle beteiligten Akteur*innen ihren Beitrag dazu leisten. Zudem fordern Selbstvertreter*innen ein größeres Mitspracherecht bei der Gestaltung von Unterstützungsleistungen. "Es fällt auf, dass noch zu viel in traditionelle Wege, wie die Vermittlung in spezielle, exklusive Einrichtungen beraten wird und zu wenig geschaut wird, was sonst noch- beispielsweise bei Betrieben in der freien Wirtschaft-möglich ist. Wir brauchen eine höhere Qualität in der Ausbildungsberatung und bei der Begleitung von Menschen mit Behinderungen", fasst Anne Gersdorff, Projektreferentin von Job Inklusive, zusammen. "Es gibt ein Vollzugsproblem bei den Regeln, auf die wir uns geeinigt haben", so Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. "Ein Viertel der gesetzlich dazu verpflichteten Unternehmen beschäftigt nach wie vor keinen einzigen Menschen mit Behinderung. Bei diesen Unternehmen müssen wir über eine Erhöhung der Ausgleichsabgabe nachdenken. Wenn ein Viertel der Autofahrer sich nicht mehr an die StVo halten würde, würden wir doch auch handeln."

Die teilnehmenden Expert*innen verabredeten sich in verschiedenen Arbeitsgruppen an konkreten Themen weiter zu arbeiten. Eine Arbeitsgruppe wird sich mit Vorschlägen für eine umfassendere Ausbildungsbegleitung von Auszubildenden und Betrieben beschäftigen. Eine Weitere erkundet die Einrichtung einer Ombudsstelle zum Thema Ausbildung und Arbeit für Menschen mit Behinderungen. Eine dritte Arbeitsgruppe wird praktische Vorschläge für die Nutzung der Digitalisierung in der Ausbildung erarbeiten.

"Nach dem ersten Runden Tisch sind die schwarzen Löcher noch nicht ganz verschwunden, aber wir sind mit den Arbeitsgruppen auf einem guten intergalaktischen Weg. Die ersten Ergebnisse werden wir voraussichtlich im Sommer 2020 veröffentlichen", fasst Gersdorff den Tag zusammen.

Am ersten Runden Tisch von Job Inklusive zum Thema Ausbildung und Inklusion haben folgende Organisationen teilgenommen:

ausblick hamburg GmbH, BAG Berufsbildungswerke, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Bertelsmann Stiftung, Bundesinstitut für Berufsbildung, Deutsche Bahn AG, Handwerkskammer Berlin, Integra gGmbH, Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e.V. (ISL), KOPF, HAND und FUSS gGmbH, Maler und Lackiererinnung Oderland, Netzwerk für betriebliche Integration und Sozialforschung e.V. (BIS), Stiftung Drachensee, Zitrusblau GmbH

JOBinklusive

Das Projekt JOBinklusive wird durch die SKala-Initiative gefördert und bezieht Akteur*innen aus allen relevanten Sektoren mit ein: Menschen mit Behinderung, ArbeitgeberInnen, Bildungseinrichtungen, ArbeitsvermittlerInnen, Politik und Wohlfahrtsverbände - um praktische, skalierbare Lösungen zu identifizieren, zu entwickeln und umzusetzen. Neben dem Entwickeln von eigenen Maßnahmen für die JOBinklusive Kampagne sehen wir unsere Rolle auch sehr stark in unserer Funktion als Brückenbauer zwischen den verschiedenen Akteur*innen.