Ein langes Telefonat mit einem alten Freund oder in einem Sportkurs neue Menschen kennenlernen – wie die Angestellten der schwedischen Apothekenkette die neue Freundschaftszeit nutzen, ist ihnen überlassen. In dieser Zeit ist alles erlaubt.
Schweden ist ein Vorbild im Kampf gegen Einsamkeit. Die schwedische Regierung hat eine nationale Strategie gegen Einsamkeit entwickelt, die eine Reihe an Maßnahmen beinhaltet. An vielen Orten wird versucht, soziale Kontakte zwischen den Menschen zu ermöglichen. Es gibt Wohnprojekte gegen Einsamkeit, wie beispielsweise das Projekt „SallBö“, bei dem alte und junge Menschen zusammenkommen.
Und auch verschiedene Kampagnen helfen beim Kampf gegen Einsamkeit, wie beispielsweise die Aktion „Hej“, bei der die Menschen in der Industriestadt Luleå dazu ermuntert wurden, sich freundlich zu grüßen. Bei dem Pilotprojekt der schwedischen Apothekenkette wird nun auch die Wirtschaft mit in die nationale Strategie gegen Einsamkeit eingebunden.
Zufriedenheit schafft Motivation
Die Apothekenkette, die an dem Projekt teilnimmt, erklärt, dass durch die Freundschaftszeit zwar Arbeitszeit verloren ginge, dafür seien die Mitarbeitenden zufriedener – und dadurch auch motivierter.
Bei „Deutschlandfunk Nova“ erklärt der Leiter der Apothekenkette: „15 Minuten reichen aus für ein oder zwei Telefonate. Und es geht einfach darum, zu sagen: ‚Hey, ich denke gerade an dich. Lange nicht mehr gesehen. Wie geht’s dir?'“
Einsamkeit macht krank
Einsamkeit ist ein weltweites Problem. Wie wichtig der Kampf gegen Einsamkeit ist, zeigt ein aktueller Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach ist weltweit jeder sechste Mensch von Einsamkeit betroffen – und das hat gravierende Auswirkungen. Denn: Der WHO-Kommission zufolge macht Einsamkeit und soziale Isolation körperlich krank.
Unter anderem erhöht Einsamkeit das Risiko von Hirnschlägen und Herzinfarkten, Diabetes, Depressionen und Angstzuständen. So trägt Einsamkeit laut dem WHO-Bericht jedes Jahr zu 871.000 Todesfällen bei.
Aktionsplan gegen Einsamkeit in NRW
Auch in Nordrhein-Westfalen leiden viele Menschen unter Einsamkeit. Und auch hier gibt es Aktionen, die das Problem angehen sollen.
2024 hat die nordrhein-westfälische Landesregierung einen Aktionsplan gegen Einsamkeit verabschiedet. Unter dem Titel „Du+Wir=Eins – Nordrhein-Westfalen gegen Einsamkeit“ bündelt der Aktionsplan Maßnahmen gegen Einsamkeit aller Ministerien der Landesregierung.
„Einsamkeit ist eine Querschnittsaufgabe“
Das erste Ziel des Aktionsplans soll sein, ein besseres Verständnis für das Thema Einsamkeit zu entwickeln. Zweitens sollen alle Akteure, die im Kampf gegen Einsamkeit mitwirken können, für das Thema sensibilisiert werden. Außerdem sollen sie untereinander vernetzt und zum Mitmachen animiert werden.
„Einsamkeit ist eine Querschnittsaufgabe“, heißt es im Aktionsplan der Landesregierung. Wichtig sei ein gemeinsames und konkretes politisches Handeln – eine „Politik gegen Einsamkeit“.
Mitmachen kann dabei jeder. Bereits bestehende Initiativen können sich auf einer Online-Plattform eintragen. Außerdem konnte man Ideen einreichen und so bei der Entwicklung des Aktionsplans mithelfen. Einige dieser Ideen wurden bereits in den Aktionsplan aufgenommen, wie beispielsweise „Zuhörbänke als Brückenangebote gegen Einsamkeit“.
Quelle: www.tagesschau/regional.de