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31. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft in Essen

Am 22. und 23. November fand in Essen der 31. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft statt. Die Gesellschaft hatte zu dem größten Treffen zu diesen Themen im deutschsprachigen Raum eingeladen. Das Motto "voneinander und miteinander lernen" spiegelte sich konkret in einem ausgewogenen Programm, das berufsgruppenübergreifend zum interdisziplinären Austausch anregte. Damit hatten die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Witten, und PD Dr. Gert Naumann, Erfurt, wohl das richtige Thema getroffen: Es nahmen rund 1200 Teilnehmern aus den Bereichen Medizin, Physiotherapie und Pflege teil, so viele wie noch nie. An den beiden Kongresstagen wurden in der Essener Messe wissenschaftliche Vorträge, Fortbildungskurse, Workshops, Industriesymposien, moderiert und konzipiert, dies von 115 nationalen und internationalen Referenten. „Die vermeintlichen Tabu-Themen sind hochaktuell und stehen im Mittelpunkt.“, so Kongresspräsident PD Dr. Gert Naumann, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Helios Klinikum Erfurt: „Weil sich immer mehr Betroffene trauen, ihr Leiden zu formulieren, weil die Forschung immer effektivere Therapien entwickelt – und ganz besonders auch aufgrund des demografischen Wandels, der zukünftig ganz besondere Herausforderungen gerade auch an unseren medizinischen Sektor stellen wird.“ Kongresspräsident Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Klinik für Urologie am Evangelischen Krankenhaus Witten und Mitglied im Expertenrat der Fachgesellschaft, erklärte: „So wird auch die Betreuung sehr alter Menschen mit Inkontinenz und Blasenfunktionsstörungen stark an Bedeutung gewinnen und alle beteiligten Disziplinen in hohem Maß fordern – das gilt insbesondere auch für die Urogeriatrie. Darauf bereiten wir uns vor. Das zeigte sich auch in den vielen Sitzungen zu diesen Themen.“

Das Fazit der beiden Fachärzte: „Die Zusammenarbeit von Gynäkologen, Urologen, Koloproktologen, Physiotherapeuten und Pflege war bei unserem Kongress gelebte Realität. Kein medizinisches Treffen bietet eine solche Interdisziplinarität und Interprofessionalität, die in Essen besonders intensiv angenommen wurde.“ Prof. Dr. Axel Haferkamp, Direktor Urologische Klinik und Poliklinik am Universitäts-klinikum Mainz und erster Vorsitzende der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, ergänzt: „Wir als Fachgesellschaft sehen uns in der gesellschaftlichen Verantwortung, die Versorgung der Menschen mit Harn- und Stuhlinkontinenz und Blasenfunktionsstörungen sicherzustellen und ständig zu verbessern. Die Zahl der Kongressteilnehmer und die immer sehr gut besuchten Veranstaltungen zeigen, wie stark der Bedarf an fachübergreifendem Austausch ist. Nur ein Kongress kann ein so kompaktes Angebot an fokussierter Fortbildung, intensivem Wissenstransfer und Netzwerken bieten. Internet-Weiterbildung ersetzt dies nicht.“

Zu der Veranstaltung gehörten auch zahlreiche Beiträge für Physiotherapie und Pflegepersonal. Beispielsweise zum Thema „Physiotherapeutische Anwendung von Sonografie“ oder auch der Workshop „Kommunikation mit inkontinenten, schwierigen und fremdkulturellen Patienten“. Großen Anklang fanden die Seminare des „Arbeitskreises Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau“, dem traditionellen Kongresspartner der Kontinenz Gesellschaft, etwa zum Thema „Blasen- und Darmfunktion bei Kindern und Jugendlichen“. In der Veranstaltung „Probleme und Lösungen“ ging es etwa um Studien über wirkungsvolle, naturheilkundliche Alternativ-Medikamente zur Prophylaxe von Harnwegsinfekten anstelle einer Antibiotikagabe. Zu den weiteren Höhepunkten gehörten die Videopräsentationen zu OP-Techniken, der Hands-on-Workshop „Operative Urogynäkologie“, in dem die Teilnehmer innovative Operations-Methoden an Modellen üben konnten, oder die wissenschaftliche Sitzung „Aktuelles aus der Koloproktologie“. Im Mittelpunkt standen darüber hinaus auch die neuen Zertifizierungsbedingungen für Kontinenz- und Beckenbodenzentren sowie das Thema „Beckenbodennetze“, das in verschiedenen Vorträgen medizinisch, wissenschaftlich und gesundheitspolitisch kontrovers behandelt wurde.

Im Rahmen des Kongresses wurde ein Preis verliehen, und zwar für den besten Abstract des Kongresses. Dieser ging an PD Dr. Günter Noé für sein Thema „Pektopexie: Eine neue Korrektur-methode des apikalen Deszensus; intraoperative Ergebnisse einer prospektiven internationalen Multicenter-Studie“. Mit dem Nachwuchspreis wurde Lucas Wechselberger ausgezeichnet für seinen Abstract „Obstipation und Überaktive Blase – gibt es einen Zusammenhang? Ergebnisse einer urodynamisch kontrollierten Studie unter den Bedingungen einer Rektumdistension“.

Der 32. Kongress der Deutschen Kontinenz Gesellschaft für Neurologie findet vom 13. – 14. November 2020 im Berlin Congress Center statt.

Weitere Infos: www.kontinenz-gesellschaft.de